Auszug
aus dem Buch |
Louis-Benjamin
Audemars |
-
Sein Leben und Werk - Aufstieg und Niedergang einer Uhrmacherdynastie |
Am 22. Mai 1782
erblickte Louis-Benjamin Audemars als Sohn des Pierre-Henri und seiner
Ehefrau Suzette, geborene Piguet in Derrière les Grandes Roches das
Licht der Welt. Pierre-Henri Audemars war Edelsteinschleifer. Er bearbeitete
Edelsteine und falsche Steine für die Uhrmacherei oder für die Schmuckherstellung.
Er starb mit 44 Jahren noch sehr jung an einer Epidemie, der in den
nächsten Jahren auch mehrere andere Familienmitglieder zum Opfer fielen. Über die Lehrzeit
und Ausbildung Louis-Benjamins ist nur bekannt, dass er sich schon früh zum Beruf des Uhrmachers
hingezogen fühlte und nach dem Besuch der Grundschule seine Ausbildung zum Uhrmacher bei Philippe Samuel Meylan
begann. Nach Beendigung seiner Lehrzeit arbeitete er ca. zwei
Jahre bei Breguet in Paris, zu dessen Meisterschülern er zählte.
Dies erklärt, dass L.-B. Audemars die Kaliber von Breguet als
Grundlage für seine eigenen Kaliberentwicklungen benutzte
und dass er gute geschäftliche Beziehungen zu Breguet in Paris
hatte. Später lieferte das Haus Louis Audemars über viele Jahrzehnte
komplizierte Uhrwerke an Breguet. Bei der Herstellung von Blancs und Ébauche bewies L.-B. Audemars sein großes Talent. Besonders bei der Anfertigung von Kadraturen für komplizierte Uhren zeigte er seine außergewöhnlichen handwerklichen Fähigkeiten. Seine Geschicklichkeit, schnelle Auffassungsgabe, Intelligenz und Zuverlässigkeit führten schließlich dazu, dass ihn sein Schwager und Lehrherr Philippe Samuel Meylan in sein Geschäft aufnahm. Im Jahr 1802, im
Alter von 20 Jahren, heiratete L.-B. Audemars Julie LeCoultre, die
Tochter von Elisée LeCoultre von Vers Chez le Maitre. Er zog von
dem abgelegenen Weiler Derrière-les-Grandes-Roches nach Chez le Maitre,
wo am 1. September 1803 sein erster Sohn, François-Elisée, geboren
wurde. 1806 kam mit Auguste
Audemars der zweite Sohn, 1808 der dritte Sohn Louis und 1812 der vierte
Sohn Julien zur Welt. Diese vier Söhne - drei Kinder aus der ersten
Ehe waren verstorben - sind später bedeutende Uhrmacher geworden. Nach dem Tod seiner
ersten Ehefrau im Jahr 1813 heiratete L.-B. Audemars im Jahr 1814 seine
junge Nachbarin, die am 2. August 1794 geborene Luise-Henriette
Reymond. Aus der zweiten Ehe L.-B. Audemars gingen folgende Kinder
hervor: Adolphe, Henriette, Hector, Adeline-Louise, Eugénie-François,
Eugénie, Zélie und Charles-Henri. Insgesamt
hatte somit L.-B. Audemars aus den zwei Ehen 15 Kinder, von denen
drei früh gestorben sind. Die vier Söhne aus erster Ehe und die
vier Söhne aus zweiter Ehe erlernten in der Werkstatt des Vaters
den Uhrmacherberuf und waren in seinem Unternehmen zum Teil
jahrzehntelang als Uhrmacher tätig. Im Jahr 1811 entschloss
sich Philippe Samuel Meylan zusammen mit Isaac Piguet nach Genf zu
gehen. Dort gründeten sie die berühmte Firma Piguet et Meylan. Vor
seinem Weggang setzte Philippe Samuel Meylan seinen Schwager
L.-B. Audemars als seinen Nachfolger ein. Er überließ ihm seine Werkstatt
mit den Arbeitern, seine Pläne, Uhrenteile und Uhrwerke sowie
das gesamte Werkzeug. Es waren genügend Aufträge vorhanden, um
L.-B. Audemars von Anfang an auszulasten und einen ausreichenden
Umsatz zu gewährleisten. Nach der in Crêt-Meylan
im Jahr 1811 erfolgten Gründung des Hauses Louis Audemars wurde die von Philippe Meylan übernommene
Produktion von Uhrenteilen und Blancs fortgesetzt. L.-B. Audemars
begann die Werkstatt zu modernisieren und zu vergrößern und
in der Tradition eines der bedeutendsten Uhrmachers seiner Zeit,
Philippe Samuel Meylan, fortzuführen. Zunehmend produzierte
er komplizierte Mechanismen wie z.B. Ébauche mit Schlagwerken und
Kalendern, die besonders in Genf sehr gefragt waren. Er war ein
Perfektionist, für den Zeitaufwand und Kosten sekundär waren.
Selbst die Uhrenteile, die man nur nach einer Zerlegung des
Werkes sieht, waren mit der gleichen Sorgfalt wie die sichtbaren
Teile gefertigt. Jedes Stahlteil wurde geschliffen und solange
poliert, bis die Oberfläche fast schwarz schien. Jeder Winkel,
sei er noch so klein und unerreichbar, wurde mit höchster Präzision
bearbeitet. Die winzigen Oberflächen aller Stahlteile waren spiegelpoliert
und auf keinem der Schraubenköpfe durfte jemals die Spur des
Schraubenziehers zu sehen sein. Vor 1811 lieferte
die Uhrenindustrie im Vallée de Joux nur Uhrenteile und Blancs,
das heißt nur grob bearbeitete unvollständige Uhren-Rohwerke,
bestehend aus Werkplatinen, Brücken und Kloben, Federhaus und
eventuell Schnecke. Die Blancs mussten noch fertiggestellt, mit
Zifferblättern, Zeigern und Hemmung versehen und in Gehäuse
eingeschalt werden. Eine der größten
Leistungen L.-B. Audemars war, dass er als erster Uhrmacher im Vallée
de Joux den veralteten traditionellen Werksaufbau durch die von
Lépine erfundene und von Breguet weiterentwickelte Werkskonstruktion
für den Bau flacher Uhren mit oder ohne Komplikationen in technisch
hoher Qualität zu günstigen Preisen ersetzte. Durch die Fertigung
dieser Breguet-Kaliber wurde L.-B. Audemars in der Schweiz einer
der bedeutendsten Uhrmacher seiner Zeit. Im Jahr 1828 bestand
das Haus Louis Audemars aus dem Vater L.-B. Audemars und seinen acht
Söhnen. Ab diesem Jahr firmierte Audemars unter dem Namen „Louis
Audemars & Fils“. Etwa bis zum Jahr
1850 lieferte das Haus Louis Audemars überwiegend Uhrenteile, vor
allem Komplikationsteile sowie Rohwerke mit und ohne Komplikationen
und Hemmungssystem an zahlreiche Etablisseure. Diese vollendeten
die Werke, versahen sie mit ihrer Werknummer und häufig auch mit ihrem
Firmennamen, schalten sie weiter in Gehäuse ein und verkauften sie unter
ihrem Namen. Hauptabnehmer
von Werkteilen und Rohwerken, aber auch von kompletten Uhren (teilweise
mit der Nummer und der Signatur der Käuferfirma) waren unter anderem
die Firmen Le Roy, Breguet, Jürgensen, Charles Oudin, LeCoultre,
Piguet Frères, Bautte, Piguet & Meylan, Czapek & Co., Parkinson
& Frodsham, Frodsham, Dent, Benson und Aubert Frères. Fast alle
Werke der komplizierten Uhren der Firma Oudin aus
den Jahren 1820 bis 1885 wurden
vom Haus Louis Audemars geliefert. In den Jahren 1838
bis 1845 lieferte Audemars an die Firma Czapek & Co. 41 Werke mit
dem neu entwickelten Kronenaufzugs- und Zeigerstellsystem sowie Werke
mit Komplikationen und Spezialuhren, unter anderem zwei Uhren mit Werken
aus Platin. Durch seine Arbeit
und, wie es damals leider häufig vorkam, durch eine unzureichende Ernährung
war L.-B. Audemars Gesundheit in den Jahren 1825 bis 1833 sehr angegriffen.
Am 22.5.1833 starb er unter großen Schmerzen. Die ganze Gegend trauerte
um diesen ehrenvollen Mann. Seine Arbeiter, für die er zeitlebens
ein Wohltäter war, beweinten ihn lange und man hörte nur Gutes über
ihn. Die Witwe L.-B. Audemars erzählte ihren Enkelkindern,
dass sie nie einen so großen Trauerzug wie bei der Beerdigung ihres
Mannes gesehen hätte. Im „HISTORISCHEN
BERICHT der Uhrenmanufaktur“ aus dem Jahr 1873 wird über das Haus Louis
Audemars ausgeführt: "Es war ein
großes Glück für die Uhrmacherei im Vallée de Joux, dass Louis Audemars
bald nach Gründung seines Unternehmens im Jahr 1811 eigene Kaliber
auf der Basis der Breguet-Kaliber in allen Größen, in allen Höhen
und in allen Formen, oft je nach der Mode, entwickelte, Konstruktionspläne
entwarf und die Rohwerke hiernach baute. Er bereitete die Kaliber
für alle Arten von Sekunden couleés, mortes und independantes vor
und wendete sie nicht nur auf die Drei-Schrauben-Kadraturen von Breguet
(cadratures à trois vis de Breguet) an, sondern auf alle bekannte
Sonneri (Weckfunktionen, Schlagwerke, Repetitionen). Durch die Fertigung
dieser auf den Breguet-Kalibern basierenden Werke platzierte
sich Audemars sofort an die erste Stelle unter den Fabrikanten
en Blancs, die die Uhrenhäuser in Genf und andere Uhrenfabriken
belieferten. Louis-Benjamin Audemars starb am 21. Mai 1833 im Alter von 51 Jahren
und hinterließ seinen Nachfahren ein hoffnungsvolles Unternehmen.“ Audemars-Valette
zitiert eine alte Chronik, die das Leben und die Philosophie des Gründers
des Hauses Louis Audemars in wenigen Sätzen wie folgt zusammenfasst: "L.-B. Audemars
ist der Gründer des großen Hauses, das diesen Namen trägt. Er
wurde 1782 in Brassus geboren und zeigte von Beginn seiner Lehrzeit
an eine seltene Begabung und eine außergewöhnliche Fingerfertigkeit.
1811 übernahm er das Haus seines Schwagers und ehemaligen Meisters
Philippe-Samuel Meylan. Er gründete ein Unternehmen für
Ébauche, Pignons und Cadratures. L.-B. Audemars war ein begabter
Künstler und Praktiker, dessen technische Begabung, handwerkliches
Geschick und Erfindungsreichtum ihn im Vallée de Joux zu einer
Legende machten. Er war ein Perfektionist, der jede Arbeit, die nicht
im Detail perfekt ausgestaltet war, ablehnte. Audemars war
so überzeugt von der Zukunft der technisch komplizierten Uhrmacherei,
dass er auf seine Kosten ein Jahr lang den letzten Cadraturier
beschäftigte, der in der Lage war, Uhrwerke mit Minuten-Repetitionsschlagwerken
herzustellen, nur um seine Fingerfertigkeit während der Wirtschaftskrise
von 1816-1817 zu erhalten. Die spätere große Nachfrage nach Uhren
mit Minuten-Repetitionsschlagwerken im Laufe der nächsten Jahrzehnte
bestätigte seine Entscheidung. Trotz seiner angeschlagenen Gesundheit
verfolgte er mit Beharrlichkeit sein großes Ziel: In der eigenen
Werkstatt verkaufsfertige Uhren ohne Zulieferer selbst herzustellen.
Ihm selbst war es nicht mehr vergönnt, dieses Ziel zu erreichen.
Seine Söhne führten jedoch sein Unternehmen in seinem Sinne
fort und konnten einige Jahre später den Wunsch ihres Vaters,
die Herstellung verkaufsfertiger Uhren, erfüllen. Von diesem Zeitpunkt
an wurde aus dem Haus Louis Audemars als bisheriger Zulieferer
für die Etablisseure die erste Uhrenmanufaktur im Vallée de
Joux.“ Nach dem Tod von
Louis-Benjamin Audemars fand am 24. Mai 1833 ein Familienrat statt.
Anschließend wurde vor dem Friedensgericht von Cercle du Chénit ein
Vertrag über die Verteilung des Nachlasses geschlossen. Mit seiner Unterzeichnung
wurde entschieden, dass das Unternehmen ohne Veränderungen unter
dem gleichen Firmennamen „Louis Audemars“ weitergeführt werden
sollte. Die 12 Kinder blieben Teilhaber mit der Option, aus der Firma
auszuscheiden. Die Witwe Henriette Audemars überließ den Firmenanteil,
der ihr gesetzlich zustand, ihren Kindern. Nach der Bestandsaufnahme
dieses Erbes vom 16. August 1833 hinterließ L.-B. Audemars ein
Nettoguthaben von 76.840 alten Francs oder 115.273 neuen Francs. Dies
ergab für jedes der 12 Kinder, die Teilhaber blieben, 6.403 alte
Francs, die als Grundlage für ein Familienkonto dienten. Gleichzeitig
beschlossen die acht Söhne, das Unternehmen ihres Vaters unter dem
Namen „LOUIS AUDEMARS FILS" unter der technischen Leitung der
ältesten Söhne François und Auguste weiterzuführen. Die Söhne hatten
sich zum Ziel gesetzt, den Wunsch ihres Vaters nach Herstellung kompletter
verkaufsfertiger Uhren in der eigenen Werkstatt baldmöglichst zu
erfüllen. 1848 war ein wichtiges
Datum für die Uhrmacherei im Vallée de Joux. In diesem Jahr beschlossen
die acht Söhne L.B. Audemars, künftig überwiegend nur noch komplette
Uhren mit dem Markenzeichen "Louis Audemars" auszuliefern.
Damit sollte das Ziel ihres Vaters, im Vallée de Joux die ersten kompletten
Uhren in der eigenen Werkstatt herzustellen, erreicht werden. Da sie
jedoch das hohe Risiko des Verlusts der alten Kundschaft scheuten,
wurden auch weiter wie bisher Uhrenteile und Uhrwerke als Blancs und
Ébauche für die Stammkundschaft hergestellt. Trotz des bereits vorhergesehenen
Verlusts einiger der alten Kunden bestätigte die große Nachfrage
nach kompletten Uhren die Richtigkeit dieser Entscheidung. Einige Jahre lang
musste Audemars noch von anderen Uhrenfabriken Fournituren wie z. B.
Zifferblätter, Zeiger und Gehäuse beziehen, da ihre Herstellung
im eigenen Haus noch zu aufwendig war. Aber schon wenige Jahre
später war Audemars in der Lage, auch diese besonderen Uhrenteile
in hoher Qualität selbst herzustellen. Somit konnten bei Audemars
als einziger Manufaktur im ganzen Vallée de Joux alle Uhren, die an
den Handel geliefert wurden, in eigenen Werkstätten von den
eigens hierzu ausgebildeten Arbeitern hergestellt werden. Im Jahr 1849 stellte
das Haus Louis Audemars die erste Uhr mit zwei Federhäusern vor,
die mit der Krone aufgezogen
werden konnten. 1851 entwickelte
Audemars erstmals eine komplette Uhr, deren Aufzug mit Hilfe
einer über dem Pendant befindlichen Krone nach den gleichen Prinzipien
wie bei den heutigen Uhren erfolgte.
Diese Uhr wurde unter anderem in der Vitrine des Hauses Louis
Audemars bei der Weltausstellung im Jahr 1851 in London ausgestellt.
Dieser neue, verbesserte Aufzug kombinierte das von Audemars
im Jahr 1838 fertiggestellte Aufzugssystem mit den Vorteilen
des von A. LeCoultre im Jahr 1847 vorgestellten Kronenaufzugs. Nachdem
das neue Aufzugssystem bis zum Jahr 1851 zur Serienreife entwickelt
war, gab Audemars bekannt, dass auf Wunsch der Kunden jedes Kaliber
ab sofort auf das neue System umgestellt werden könne. Diese Arbeit
war außergewöhnlich zeitintensiv und schwierig, da alle bisher
entwickelten Uhrenkaliber, auch diejenigen auf der Basis von
Breguet, umkonstruiert werden mussten. Bei vielen bisher benutzten
Kalibern war ein Umstellen auf das neue System zu aufwendig,
vor allem, wenn in den Werken zu wenig Platz für das Räderwerk
des Kronenaufzugs war. Dem Haus Louis Audemars blieb deshalb oft
nichts anderes übrig, als in teurer und langwieriger Arbeit für das
neue Aufzugssystem völlig
neue Kaliber zu entwickeln. Weiterhin mussten neue Werkzeuge
für die gesamte Fabrikation wichtiger Uhrenteile hergestellt
werden. Geplant war, die Umstellung in zwei bis drei Jahren durchzuführen.
Tatsächlich dauerte sie fast dreizehn Jahre. Die zwei Niederlassungen
in London und Paris arbeiteten um 1858 gewinnbringend. Deshalb begann
das Haus Louis Audemars auch außerhalb Europas neue Niederlassungen
zu gründen. Um 1858 wurde in
New York ein Ladengeschäft unter der Leitung von M.P.A. Brez gegründet,
dessen Nachfolger bis ins Jahr 1885 die Firmen „Audemars & Shaffus“,
„M. Eugène Robert & Co.“ und „M.A. Wittnauer“ waren. In den Jahren
von 1875 bis 1878 prosperierte das Unternehmen Louis Audemars, Umsatz
und Gewinn wurden erheblich gesteigert. Auch in Deutschland hatten
sich die Geschäfte seit Kriegsende gut entwickelt und die Geschäftsleitung
beschloss deshalb, den Vertrieb in
Deutschland auszuweiten und damit die Umsätze zu erhöhen. Nach der Etablierung
in den wichtigsten Städten Europas wurde beschlossen, in Asien zu
investieren und besonders die Geschäfte in China auszuweiten. Seit 1875
bestanden Beziehungen zu dem Haus Ch F. Gaupp & Cie in Hong Kong,
das in wenigen Jahren zahlreiche Uhren verkaufte. Die Zeit zwischen
1850 und 1880 war das goldene Zeitalter der Uhrmacherei im Vallée
de Joux, nicht nur wegen des weltweiten Erfolgs des Hauses Louis Audemars, sondern auch wegen der hervorragenden
Leistungen anderer Hersteller von Uhren, wie z. B. der Firmen Aubert
Frères, Piguet Frères und LeCoultre. Die Uhren, die
vollständig im Vallée de Joux hergestellt wurden, waren weltweit
sehr gefragt und begründeten den erstklassigen Ruf der Schweizer Uhrenindustrie.
Die hohen Preise, die für die Uhren aus dem Vallée de Joux bezahlt
wurden, brachten der Region großen Wohlstand und bescherten den
Arbeitern, die fast alle bei ihren Familien zu Hause in den Wohnungen
arbeiteten, viel Freiheit und die Möglichkeit einer flexiblen Zeitgestaltung. Ab dem Jahr 1880
entwickelte sich die Geschäftstätigkeit des Hauses Louis Audemars
nur noch sehr schleppend. Man stand am Anfang einer langen Krise und
sorgte sich um die Konkurrenz der anderen Uhrenfabriken, die sehr
schnell ihre Produktion modernisierten und damit die Kosten senkten.
Gute Uhrwerke von LeCoultre kosteten im Jahr 1870 ca. 40,- Francs. Sie
wurden in den nächsten Jahren um die Hälfte billiger und kosteten
später nur noch 10,- Francs, ohne dass dabei die Qualität wesentlich
schlechter wurde. Durch die immer besser werdenden Maschinen fielen
die Preise, da immer weniger teure Handarbeiten erforderlich waren. Da die in den eigenen
Werkstätten in Handarbeit erzeugten einfachen Uhren jetzt zu teuer
waren, kaufte das Haus Louis Audemars auch von anderen Herstellern,
insbesondere von der Firma LeCoultre Uhrwerke, die nach den Audemars-Kalibern
gebaut waren. Diese zugekauften Werke waren teilweise fertig finissiert,
wurden im eigenen Haus in Gehäuse eingeschalt und konnten dann
preiswert verkauft werden. Für Uhren hoher Qualität sowie für die komplizierten
Uhren benutzte das Haus Louis Audemars jedoch weiterhin Werke, die
in den eigenen Werkstätten noch überwiegend von Hand hergestellt
wurden. Die Geschäftsführung erkannte damals nicht, dass die gleichen
Uhrwerke für komplizierte Uhren in guter Qualität viel preiswerter
auch maschinell hergestellt werden konnten. Zwar waren die von Hand
gefertigten Komplikationen schöner und von noch höherer Qualität
als die mit Maschinen hergestellten, jedoch waren nur noch wenige
Kunden bereit, den Qualitätsunterschied und die Schönheit der Handarbeit
mit höheren Preisen zu bezahlen. Die Fehlentscheidung des Hauses
Louis Audemars, auch in Zukunft komplizierte Uhren im Wesentlichen
in Handarbeit herzustellen und die industrielle Fertigung anderen
Uhrenherstellern zu überlassen, erklärt sich vielleicht auch durch
die enormen Anstrengungen und die damit verbundene tiefgehende Identifizierung
mit den mühsam entwickelten Produktionsmethoden, die das Haus Louis
Audemars in den vergangenen Jahrzehnten eingeführt hatte, um von
„Ébauche à roue de rencontres“ bis zu den kompliziertesten Uhren
höchster Qualität und Schönheit alles komplett von Hand allein in
den eigenen Werkstätten herstellen zu können. Als es später darum ging, größere und vielfältigere Sortimente zu liefern, musste auf Vorrat produziert werden. Vor allem für die komplizierten Uhren brauchte das Unternehmen aufgrund der Handarbeit viel Zeit und teures Material, bis die Uhren verkaufsfertig waren. Die Herstellungszeit war immer länger als geplant, weil die Uhren durch zu viele Hände gingen. Die Konkurrenzfirmen des Hauses Louis Audemars benutzten hingegen Maschinen, um Ébauche in ausreichend guter Qualität und in großer Stückzahl in kürzester Zeit herzustellen. Zu spät erkannte
Audemars, dass zum Überleben der Manufaktur nichts anderes übrig blieb,
als neben der Handfertigung neue Produktionsmethoden mit Maschinen
einzuführen um dadurch zumindest teilweise mit der Konkurrenz
mithalten zu können. Unterstützt von Eugène Audemars stellte dessen
Sohn Louis Audemars-Vallette unter Verwendung von Uhrenrohteilen,
die mit einer Stanzmaschine hergestellt wurden, komplizierte Uhren
zu Preisen her, die wesentlich niedriger waren als die der bisher allein
von Hand hergestellten. Beispielsweise konnte mit der neuen Produktionsmethode
ein Minuten-Repetitionsschlagwerk mit 19 Linien, das bisher aufgrund
der teuren Handarbeit für 1.350,- Francs verkauft wurde, jetzt für
850,- Francs angeboten werden. Durch eine Neukonstruktion
von Kalibern im Jahr 1881 - die dritte in der Firmengeschichte des
Hauses - gelang es, die Herstellungskosten weiter drastisch zu senken.
Die neuen Kaliber konnten ohne Schwierigkeiten sowohl für offene
als auch für Savonnette-Uhren, für Viertelstunden- und Minuten-Repetitionsschlagwerke
und für Uhren mit weiteren Komplikationen verwendet werden. Der große Vorteil
dieser Neuerung bestand darin, verschiedene Teile zu vereinheitlichen
und damit zu erreichen, dass alle maschinell hergestellten Werkteile
ohne Anpassungsschwierigkeiten für verschiedene Werke verwendet
werden konnten. Ausnahmen blieben die Kaliber für die individuellen
Aufträge sowie für Modeuhren, die vielfältig sein konnten und deren
Herstellung während der Industriekrise einen wesentlichen Anteil an
der Gesamtproduktion hatte. Im Jahr 1882 begann
für die Uhrenindustrie in der Schweiz eine lange Krise. Die Geschäfte
Audemars liefen mit jedem Monat schlechter und es wurde immer schwieriger,
die Zins- und Tilgungsraten an die Bank zu bezahlen.
Der zunehmende
Einsatz von Maschinen etwa ab dem Jahr 1875 verursachte erhebliche Preissenkungen
bei der Uhrenherstellung. Die handwerkliche Uhrenfertigung im Hause
Louis Audemars konnte mit der maschinellen Produktion nicht konkurrieren.
Dies brachte der Firma erhebliche wirtschaftliche Probleme.
Die von dem Firmengründer übernommene Firmenphilosophie, keine
Massenware, sondern nur Einzelstücke
höchster Perfektion zu produzieren, machte die Uhren von
Audemars gegenüber denen anderer Anbieter zu teuer. Zahlreiche
teure komplizierte Uhren lagen deshalb bei Audemars unverkäuflich
im Lager. Persönliche Auseinandersetzungen der Familienmitglieder
und ständige Streitigkeiten über die Firmenpolitik erschwerten die
Zusammenarbeit in dem Unternehmen. Seit dem Jahr 1883
waren das Eigenkapital und bis 1885 auch die aufgenommenen Kredite
aufgebraucht, die im letzten Jahr dazu noch zur Rückzahlung fällig
gestellt waren und nicht bezahlt werden konnten.
Die Partner sahen deshalb keine andere Möglichkeit mehr, als
Antrag auf Eröffnung des Konkursverfahrens zu stellen. Die Konkurseröffnung
erfolgte am 27. Juni 1885 und führte damit nach 74 Jahren erfolgreicher
Arbeit zur Auflösung des Hauses Louis Audemars. Nach dem Zusammenbruch
des Hauses Louis Audemars entschlossen sich die drei Söhne von Charles-Henri
Audemars, des jüngsten Sohnes von Louis-Benjamin Audemars, sowie
dessen Enkel Louis-Benjamin Audemars-Valette, dem Sohn des Eugène-François
Audemars, die Tradition des alten Hauses Louis Audemars unter
neuem Namen weiterzuführen. Hierzu gründeten noch im Jahr 1885
Charles-Henri´s Söhne Hector (geb. 29.4.1864) und sein Bruder Charles-Henri
(geb.18.11.1887) die Firma "Audemars
Frères", der älteste Sohn François (geb. 20.9.1853) die Firma
"F. Audemars Fils" und der Sohn
von Eugène Audemars (7. Sohn von L.-B. Audemars), Louis Audemars-Valette
(geb. 19.4.1850), die Firma "Louis
Audemars" (successeur "officiel" de Louis Audemars).
Im Juni 1885 wurden alle Kredite zur Zahlung fällig und das Haus Louis
Audemars wurde zahlungsunfähig. Bei der Liquidation
des "Ancienne Maison Louis Audemars" wurden die vorhandenen
verkaufsfertigen Uhren, die Rohwerke, Werkteile, das Material
sowie die Werkzeuge und Maschinen unter den drei neuen Firmen
aufgeteilt. Hierbei erhielt die neue Firma Louis Audemars die meisten
Rohwerke, einen Großteil verkaufsfertiger Uhren sowie
zahlreiche vor 1885 von renommierten Werkherstellern zugekauften Rohwerke. Die Firma François Audemars Fils des ältesten Sohnes François produzierte nur
wenige Werke und fertige Uhren. Überwiegend handelte es sich hierbei
um Uhren von hoher Qualität, zum Teil mit äußerst anspruchsvollen
Komplikationen, deren Rohwerke von ausgewählten Werkherstellern zugekauft wurden. Das Unternehmen wurde wegen
wirtschaftlicher Schwierigkeiten schon im Jahr 1898 liquidiert.
François Audemars ging anschließend nach Genf und arbeitete dort
als Uhrmacher. Einige Jahre später gründete er in Genf-Eaux-Vives
eine neue Firma mit dem Firmennamen "F.
Audemars fils, fabrication" zur Herstellung von Uhren und
Uhrenteilen. Diese neue Firma wurde am 31.10.1911 amtlich registriert.
Das Unternehmen war bedeutungslos und ist im Jahr 1925 oder 1926 liquidiert
worden. Uhren dieses Genfer Unternehmens sind nicht bekannt. Die Brüder von
François Audemars, Hector (geb. 1864) und Charles-Henri (geb. 1867)
waren erst 21 bzw. 18 Jahre alt, als sie mit Unterstützung ihres
Vaters Charles-Henri Audemars (1828-1906) in den leer stehenden
Werkstätten des alten Hauses Louis Audemars die Firma Audemars
Frères gründeten. Das dritte Nachfolgeunternehmen,
die Firma Louis Audemars,
wurde von Louis-Benjamin Audemars-Valette, dem Sohn von Eugène-François
Audemars (7. Sohn von Louis-Benjamin Audemars) gegründet. Das Unternehmen
ließ sich in der alten Werkstatt von 1805 in Crêt-Meylan nieder. Die neu gegründeten Firmen
Audemars Frères und Louis Audemars verkauften in den nächsten
Jahren zunächst die vom alten Haus Louis Audemars übernommenen fertigen
Uhren, finissierten die übernommenen Rohwerke und verkauften
diese an Fremdfirmen oder terminierten sie selbst und verkauften
sie dann unter eigenem Namen. Die Uhren mit den vor dem Jahr 1885
fertiggestellten Rohwerken sind von hoher Qualität. Teilweise
fertigten diese beiden Firmen auf der Basis alter Rohwerke
auch komplizierte Uhren an. Aufgrund dieser qualitativ hochwertigen
Uhren behielten die neuen Firmen Louis Audemars und Audemars
Frères bis ins 20. Jahrhundert hinein einen sehr guten Ruf. Sie profitierten
somit von dem berühmten Namen des alten Hauses, weshalb sie grundsätzlich
ihre Uhren mit dem Namen „Louis Audemars“ signierten und auf
dem Staubdeckel auf die Gründung des Hauses Louis Audemars im Jahr
1811 sowie auf die zahlreichen Medaillen und Ehrungen hinwiesen. Aufgrund wirtschaftlicher
Schwierigkeiten liquidierte Louis Audemars-Valette im Jahr 1898/99
sein Nachfolgeunternehmen Louis Audemars. Das Nachfolgeunternehmen Audemars
Frères hatte durch den Verkauf preiswerter Uhren bis zu dem
Zeitpunkt wirtschaftlichen Erfolg, an dem ein russischer Importeur
eine Rechnung über 150.000,- Schweizer Franken nicht bezahlen konnte.
Hierdurch wurde das Unternehmen zahlungsunfähig und musste im Jahr
1909 liquidieren. Der im Jahr 1876 geborene Louis
Audemars, Sohn des Louis-Benjamin Audemars-Valette, ging um 1895
nach London, wo er zunächst als Uhrmacher arbeitete. Nach der Liquidation
der Nachfolgefirma Louis Audemars in der Schweiz durch seinen Vater
Louis-Benjamin Audemars-Valette gründete er in London das Uhrenhaus
„Louis Audemars & Co. Ltd“. Im 2. Weltkrieg
wurde um 1942/1943 (das genaue Datum ist nicht bekannt) das Firmengebäude
der Nachfolgefirma Louis Audemars & Co Ltd. in London bei einem
Bombenangriff völlig zerstört. Dabei wurde das gesamte Firmenarchiv
der „Ancienne Maison Audemars“ mit wertvollen alten Büchern und
Dokumenten der Firmengeschichte, die Medaillen und Preise, die
Verkaufsbücher sowie wertvolle Uhren vernichtet. Louis Audemars starb am 28.2.1956. Sein Sohn Marcel Ernest war ab etwa 1960 aufgrund
eines Herzleiden gesundheitlich nicht mehr in der Lage, das Familienunternehmen erfolgreich zu führen oder einem qualifizierten
Nachfolger zu übergeben. In den letzten Jahren seines Lebens
verkaufte er nur noch Uhren an renommierte Geschäfte in London
wie Harrods, Mappin & Webb oder Garrad. Teilweise verkaufte
er auch aus Schweizer Produktion stammende Uhren unter dem Namen
„Audemars“, überwiegend jedoch Uhren von Schweizer Nobelmarken
unter deren eigenem Namen. Unter anderem war er UK-Agent der Firma
Borel Fils Cie. aus Neuchâtel. Im Februar 1968 starb Marcel Ernest
Audemars und mit ihm das Familienunternehmen. Damit endete
nach 157 Jahren die Geschichte einer der berühmtesten Uhrenmanufakturen
der Schweiz. Von Louis-Benjamin Audemars-Valette
existiert eine handschriftliche Aufstellung die die auf den Weltausstellungen
zwischen 1851 und 1879 an das Haus Louis Audemars verliehenen Preise
und Auszeichnungen ausweist: 1. Medaille erster Klasse in London 1851 2. Bronzemedaille
in New York 1853 3./4.
Ehrenmedaille erster Klasse der Académie Nationale de France 1856 und
1863 5. Medaille erster Klasse in Paris 1855 6. Ehrenmedaille erster Klasse in London 1862 7. Medaille für den Fortschritt in Wien 1873 8. Allerhöchste Anerkennung von S. M. dem Kaiser
von Österreich nach der Ausstellung
in Wien 1873 9. Medaille für den Fortschritt in Philadelphia
1876 10. Goldmedaille in Paris 1878 11. Verdienstkreuz der Ehrenlegion (Légion d´Honneur)
in Paris 1878 12. Ehrenmedaille in Sydney 1879 13. Urkunde der Uhrmacherei von S. A. I. dem Großherzog
und Erben von Russland 14. Urkunde der Uhrmacherei von S. M. dem Kaiser von Russland L. Corbaz & Co. in Lausanne berichtete im
Jahr 1873: „Das Haus Louis Audemars verfügte damit über alles, von dem
Entwurf eines Kalibers und den Konstruktionszeichnungen, nach denen
sie gebaut wurden bis zur letzten Politur des Gehäuses und der letzten
Einstellung (réglage définitif) des Uhrwerks. Alle Uhren, die das
Haus Louis Audemars dem Handel lieferte, waren in den eigenen Werkstätten
oder von eigens ausgebildeten Heimarbeitern unter seiner Aufsicht
und Führung hergestellt worden. Es fällt nicht schwer zu verstehen,
dass diese, in der Uhrenindustrie einmalige Organisation, optimale
Resultate erzielte. In der Manufaktur wurden alle notwendigen Werkzeuge,
die der Präzision und der Funktion nützlich waren, sowie alle Maschinen
zur Herstellung von Trieben, Rädern, Achsen und Kadraturen und Hemmungsteilen
selbst entwickelt und gebaut. Maschinen, die nur für eine bestimmte
Art von Uhren geeignet waren und die den Uhrmacher zur Maschine machen,
wurden vom Haus Louis Audemars nicht verwendet. Auch seine Nachfolger
sind der Meinung, dass die örtlichen Manufakturen nur durch die
qualifizierte Ausbildung von Uhrmachern in der Herstellung aller
für eine Uhr erforderlichen Teile vor dem Verfall bewahrt werden können.“ In dem von Audemars veröffentlichten
„Historischen Bericht über das Haus Louis Audemars“ aus dem
Jahr 1873 werden einige der wichtigsten Erfindungen und technischen
Neuerungen das Hauses Louis Audemars bis zum Jahr 1873 wie folgt beschrieben: „Unabhängig von der bedeutenden Perfektion, die für die Fertigung von Uhren aller Art wichtig waren, ist das Haus Louis Audemars Erfinder von folgenden Besonderheiten: 1. Moderner Aufzug (remontoir) und die Einstellungsfunktion über Pendant (mise à l´heure au pendant). Das erste Stück, das dieses System besaß, wurde en blanc gefertigt und am 25. März 1838 ausgeliefert. Seither wurden verschiedene technische Neuheiten eingeführt: Eine Uhr, mit einem Aufzugsmechanismus, der im Allgemeinen nach dem heutigen System konstruiert war, ausgestellt in der Vitrine von Louis Audemars auf der Weltausstellung von London 1851. Das erste Stück mit zwei Federhäusern und Aufzug über Pendant (à deux barillets se remontant au pendant) en blanc gefertigt und hergestellt vom Haus Louis Audemars, wurde am 13. September 1849 fertiggestellt. Eine Uhr mit Weckfunktion (grande sonnerie en passant) mit demselben Aufzugssystem wurde ebenfalls in der Vitrine auf der Weltausstellung in London 1851 ausgestellt. 2.
Aufzug
(remontoir) und Einstellungsfunktion über Pendant (mise à l´ heure
au pendant) für Chronometer mit Schnecke (fusée), die sich selbstständig
vom Aufzug trennt, sobald die Feder ganz aufgezogen ist. Dieses System
ist aus dem Jahr 1860. 3.
Uhren
mit drei Federhäusern, aufgezogen über Pendant (trois barillets se remontant
au pendant). Das erste Stück dieser Art wurde 1867 hergestellt. Die
Uhr extra compliquée mit der Nummer 10.834, die auf der Weltausstellung
in Wien ausgestellt wurde, besitzt dieses Aufzugssystem. 5.
Uhr
mit Zeitzonenwahl (à longitudes) oder Uhr de voyage. Mit dieser Uhr
kann der Reisende die Zeit des Ortes der Abreise ablesen und gleichzeitig
die Zeit des Ortes, zu dem er sich bewegt. Dieses neue System, das für
komplizierte Uhren angewandt wurde, ist in der Vitrine des Hauses
Louis Audemars auf der Weltausstellung in Wien zu sehen.“ Das
Haus Louis Audemars hat seit der Gründung im Jahr 1811 bis zur Liquidation
im Jahr 1885 circa 16.000 Blancs, Ébauche sowie fertige Uhren in der
eigenen Werkstatt hergestellt. Die Anzahl der
von der Nachfolgefirma Louis Audemars ab dem Jahr 1885 bis zur Aufgabe
der Uhrenproduktion fertiggestellten und/oder verkauften
Uhren festzustellen ist nicht möglich. Soweit die Werke und/oder Gehäuse von Audemars signiert bzw. gepunzt wurden, ist der Herstellungsnachweis leicht zu führen. Leider sind diese eindeutig auf Audemars hinweisenden Werke und Uhren relativ selten. Die überwiegende Anzahl der bis ca. 1850 in seinen Werkstätten hergestellten Blancs und Ébauche sind nach Genf, den umliegenden Uhrenzentren sowie nach Paris und London verkauft und von dortigen Etablisseuren terminiert und häufig mit deren Namen signiert und verkauft worden. Diese Blancs und Ébauche sind nur selten auch von Audemars signiert oder gepunzt worden und wenn doch, dann meist versteckt unter dem Zifferblatt einer Platine, Brücke oder einem Kloben. Zahlreiche komp |